... aber was macht man, wenn man in Rom angekommen ist? Und wie überlebt man in dieser Stadt? Hier erstmal ein paar Klischees über Italiener und Dinge, die mir dazu passiert sind:
Klischee:
Italiener fahren Auto wie die Verrückten.
Meine Erfahrung:
- Gleich auf der Fahrt nach Ostia Lido, kurz nach der Abfahrt von der Ring-Autobahn, die rund um Rom läuft, stehen plötzlich ca. acht Autos quer vor mir. Bevor ich mich fragen kann was hier los ist, merke ich schon, dass die gerade alle rangieren um zu wenden. Auf der Autobahnabfahrt? Ja. Diese Abfahrt führt nämlich auf eine Landstraße, die man von hier aus schon sehen kann. Und dort staut sich der Verkehr. Also drehen alle mal fröhlich um und fahren zur letzten Abzweigung zurück die 20 m weiter hinten liegt um eine andere Abfahrt zu nehmen. Alles klar.
- Rote Ampeln werden hier auch eher als "Empfehlung zum Stehenbleiben" wahrgenommen - nicht als Muss.
- Du denkst du stehst schon auf der ganz linken Spur vor der Ampel? Solange irgendwie noch ein Auto hinpasst, gibt es da immer noch eine "Spur".
- Bei acht- bis zehnspurigen Kreisverkehren (wie z. B. Porta Maggiore) weiß man, woher die ganzen Beulen und Kratzer in jedem Auto herkommen. Wer zögert hat verloren.
Klischee:
Italiener können nicht so gut Englisch.
Meine Erfahrung:
- Wenn einer überhaupt mal behauptet, dass er Englisch kann, hält ihn das noch lange nicht davon ab minutenlang in Highspeed Italienisch mit dir zu faseln. Egal wie oft du "Non parlo l'italiano." oder "Non ho capito." dazwischen wirfst.
- Einmal habe ich einen Freund von meinem neuen römischen Kumpel kennengelernt. Dieser ist Grundschullehrer für Englisch. Man konnte sich gerade noch mit ihm unterhalten. Ein ausschweifender Diskurs ist es dann nicht geworden.
- Man fängt an beim Englischsprechen einen italienischen Akzent anzunehmen und komplizierte Wörter werden am Besten ganz vermieden. Wenn man sich selber mal sagen hört "Ello, I calle because of se room. Isse se room still free?", dann kann man sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen.
Klischee:
Italiener sind relaxter und nicht so organisationsfanatisch wie Deutsche.
Meine Erfahrung:
- Es gibt in Rom nur zwei (ja 2) U-Bahnlinien, und eine handvoll S-Bahnlinien. Dafür ca. 1000 Buslinien. Für die Buslinien gibt es keinen Netzplan, keinen Abfahrtsplan, nichts. Die fahren einfach alle in der Gegend rum. Wenigstens auf den Tafeln bei den Busstationen stehen ein paar Haltestellen, wo der Bus hinfährt, drauf. Aber das in drei Meter Höhe in saukleiner Schrift. Und wenn man endlich mal seinen Bus gefunden hat, heißt das noch lange nicht, dass der auch stehenbleibt und dich mitnimmt (man muss grundsätzlich Handzeichen geben, dass man mitfahren will, aber manchmal sollte man sich wohl eher vor den Bus legen, damit es der Fahrer auch merkt). Wenn der Bus überhaupt kommt.

Klischee:
In Italien kommt man nur mit Beziehungen weiter und alles ist korrupt.
Meine Erfahrung:
- Meine Mitbewohnerin studiert Medizin. Sie ist kurz vor dem Abschluss. Der hat sich jetzt allerdings rausgezögert. Es sind nämlich "plötzlich" drei Sekretärinen in Pension gegangen. Jetzt können die Anmeldungen für die Abschlussprüfungen nicht rechtzeitig bearbeitet werden. Die Zeit bis dahin kann sie allerdins gut nützen, denn das Sekretariat hat eine Prüfung von ihr aus dem sechsten Semester verloren. Die muss sie jetzt wiederholen. Nebenbei macht sie in einem Krankenhaus ein zweijähriges unbezahltes Praktikum, damit sie dort eine Abschlussarbeit schreiben kann. Die Nichte des Oberarztes dort, schreibt die Abschlussarbeit im selben Bereich. Bzw. hat sie geschrieben. Sie war nämlich nach einem Monat fertig. Bißchen schnell für eine Medizinabschlussarbeit, an der meine Mitbewohnerin ein Jahr schreibt, hm?
Was mir sonst noch so passiert ist:
- In der Nähe vom HBF wollte mir einer im Gehen den Rucksack am Rücken aufmachen. Ich hab es gemerkt und mich umgedreht. Der Typ war natürlich geübt genug und hatte seine Jacke über den nach vorne gestreckten Arm hängen und tat so, als ob er sich diese gerade anziehen wollte. Resultat: Kurzes hin- und hergefluche von uns beiden.
- Bei meiner allerersten Busfahrt war der Bus gestopft voll mit Schülern. Ich musste vor der Tür stehen. Die Türen gehen bei den römischen Bussen irgendwie komisch nach innen auf. Es gibt da einen rot gekennzeichneten Bereich, wo man nicht stehen soll. Ich stand natürlich da. Bei der Haltestelle hat es mir auch gleich mal dezent den Fuß eingeklemmt. Den konnt ich noch rausziehen. Der Schuh blieb allerdings lieber eingeklemmt. Die Schulklasse wollte aussteigen - ich auch. Also erstmal raus, auf einem Bein rumhüpfen und sich dann, als der Bus schon losfahren wollte (die fahren oft mit offenen Türen los), sich in den Eingang legen und Beine draußenbehalten (um zu zeigen, dass man nicht wieder mitfahren will) und den Schuh rausziehen. Kleiner Wink mit dem zerquetschten Treter Richtung Busfahrer und die erste Busfahrt auch schon erfolgreich absolviert.
- Es ist egal wie sehr du auch nach einem Touristen aussiehst (Rucksack, Digicam, Stadtplan in der Hand), du wirst immer nach dem Weg gefragt. Es kennt sich einfach keiner aus und jeder fragt jeden. Willst du selber mal den Weg wissen und fragst, dann bekommst du fast immer eine Erklärung. Die stimmt aber so gut wie nie. Dauert dafür aber mind. fünf Minuten.
Man darf diesen Eintrag jetzt nicht falsch und nur negativ verstehen. Es macht einfach Spaß über die kleinen Probleme in einem fremden Land zu stolpern und sich immer wieder zurechtzufinden. Und hier kann man von Zeit zu Zeit wenigstens immer wieder einen sehr passenden Spruch ablassen: "Die spinnen, die Römer!"